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Haftstrafe umgehen - Ist dies wirklich möglich?

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Eine Haftstrafe zieht weitreichende Folgen nach sich. So wird ein verurteilter Straftäter aus seinem Leben gerissen, kann seiner Arbeit nicht mehr nachgehen und darf seine Familie nur sporadisch sehen. Viele Angeklagte fragen sich daher, wie sie eine Haftstrafe umgehen können.

Haftstrafe umgehen - Ist das grundsätzlich möglich?

Es kommt darauf an, was Sie unter "Haftstrafe umgehen" verstehen. Grundsätzlich muss die Rechtssicherheit in einem Staat gewahrt werden, sodass eine Freiheitsstrafe nicht einfach mithilfe eines Tricks umgangen werden kann. Jedoch existieren im deutschen Recht einige Vorschriften, welche zumindest mittelbar eine Haftumgehung möglich machen.

In welchen Fällen kann man eine Haftstrafe umgehen?

Wenn Sie zu einer Haftstrafe verurteilt wurden, das Urteil jedoch noch nicht rechtskräftig ist, sondern noch angegriffen werden kann, so stehen Ihnen die Rechtsmittel der Berufung und Revision zur Verfügung. Hierdurch können Sie Ihr Verfahren neu aufrollen bzw. das Urteil der Vorinstanz überprüfen lassen. Unter Umständen wird dieses Urteil dann verworfen und Sie werden doch freigesprochen oder zu einer milderen Strafe verurteilt. So können Sie die Freiheitsstrafe umgehen.

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Bitte bedenken Sie, dass sowohl die Berufung als auch die Revision an enge Fristen gebunden sind. So haben Sie nach (mündlicher) Verkündung des Urteils nur eine Woche Zeit, um das jeweilige Rechtsmittel schriftlich oder zu Protokoll der Geschäftsstelle einzulegen.

 

Ist die Revision abgeschlossen, so ist der Rechtsweg erschöpft. Dies bedeutet, dass Ihnen nur noch wenige, sehr spezielle Möglichkeiten zur Verfügung stehen, Ihre Haftstrafe zu umgehen. Eine dieser Möglichkeiten ist das Wiederaufnahmeverfahren. Dieses kommt zum Zuge, wenn neue Beweismittel oder Tatsachen auftauchen oder beispielsweise herauskommt, dass ein Zeuge in Ihrer Verhandlung unter Eid gelogen hat oder eine Urkunde, die zur Urteilsfindung diente, verfälscht war. Sind die neuen Beweise eindeutig, so kann das Wiederaufnahmegericht Sie mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft freisprechen.

 

Kommt eine Wiederaufnahme nicht infrage, so bleibt noch die Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht, durch welche jedoch nur Grundrechtsverletzungen gerügt werden können. Das Verfassungsgericht rollt den jeweiligen Fall also nicht erneut auf, sondern prüft nur gezielt Grundrechtsverstöße.

 

Letztlich ist im Strafvollstreckungsrecht auch ein Gnadengesuch möglich. Dies bedeutet, dass eine rechtskräftig verhängte Strafe aufgrund einer unerträglichen Härte im Einzelfall durch einen "Akt des Wohlwollens" abgemindert, umgewandelt oder gar komplett erlassen wird. Zuständig hierfür sind die Gnadenstellen der Bundesländer sowie der Bundespräsident.

 

Vorstellbar wäre hierbei beispielsweise ein Fall, in welchem eine Frau Ihren Ehemann nach jahrzehntelangen Misshandlungen umbringt, da sie keine andere Möglichkeit mehr sah, sich zu schützen. Im Strafverfahren können Täterinnen in solchen Fällen oftmals nicht freigesprochen werden, da langjährige Misshandlungen häufig die konkrete Tat nicht rechtfertigen oder entschuldigen. Im Rahmen eines Gnadengesuchs kann die Vorgeschichte der Täterin jedoch zu einer Begnadigung führen.

Kommt alternativ eine Geldstrafe oder Bewährung auf mich zu?

Zunächst ist zu sagen, dass Sie nicht entscheiden können, welche Strafe das Gericht in Ihrem Falle verhängt. Es ist auch nicht so, dass der Richter Ihnen mehrere Strafmöglichkeiten zur Auswahl stellt und Sie dann die für Sie günstigste auswählen dürfen.

Jedoch enden natürlich nicht alle Strafprozesse mit einer Haftstrafe. Das Gericht hat gerade im Falle von weniger schweren Straftaten, bei Erststraftätern oder Tätern, bei denen eine geringe Wiederholungswahrscheinlichkeit besteht, die Möglichkeit, eine Geld- oder Bewährungsstrafe zu verhängen, sodass eine Haftstrafe entfällt.

Wenn Sie beispielsweise für einen Diebstahl zu acht Monaten Haft verurteilt werden sollen, können wir gemeinsam darauf hinwirken, dass das Gericht diese Strafe zur Bewährung aussetzt. Hierbei müssen wir unter anderem glaubhaft machen, dass Sie zukünftig keinerlei Straftaten mehr begehen werden und dass Ihnen die Verurteilung bereits eine Lehre ist.

Haftstrafe umgehen bei Haftunfähigkeit?

Eine Haftstrafe lässt sich schließlich auch abwenden, wenn Haftunfähigkeit vorliegt. Dies ist etwa dann der Fall, wenn der Verurteilte in einen Zustand der Geisteskrankheit verfällt oder wenn er derart schwer erkrankt ist, dass sein Leben auf dem Spiel steht. In diesen und weiteren Fällen kann bzw. muss die Vollstreckungsbehörde entscheiden, dass der Haftantritt verschoben oder (zumindest vorübergehend) unterbrochen wird.

Vorübergehend lässt sich eine Haftstrafe auch durch einen Antrag auf Haftaufschub abwenden. Diesem Antrag wird die jeweilige Vollstreckungsbehörde jedoch nur stattgeben, wenn durch den sofortigen Haftantritt ein schwerwiegender Nachteil für den Verurteilten oder seine Familie droht. Zudem ist dieser Aufschub maximal für einen Zeitraum von vier Monaten möglich.

Haftstrafe umgehen - Wie kann mir ein Anwalt für Strafvollstreckungsrecht helfen?

Als Strafverteidiger mit langjähriger Erfahrung kann ich Sie bereits im Ermittlungsverfahren und in der Hauptverhandlung unterstützen, sodass es im besten Falle gar nicht erst zu einer Haftstrafe kommt. Darüber hinaus berate ich Sie, ob nach einem bereits gefällten Urteil unter Umständen eine Berufung oder Revision in Betracht kommt. Sind diese Rechtsmittel erfolgreich, so können Sie Ihre Haftstrafe umgehen, ohne hierfür zusätzliche Anträge stellen oder Voraussetzungen erfüllen zu müssen.

Ist das Urteil rechtskräftig, so kommt vielleicht ein Haftaufschub in Betracht. Auch ein Gnadengesuch ist möglicherweise erfolgsversprechend. Lassen Sie uns gemeinsam nach Lösungen suchen, sodass Ihre Haftstrafe komplett entfällt, so niedrig wie möglich ausfällt oder aufgeschoben wird. Ich freue mich auf Ihre Kontaktaufnahme.